Frühlingsbesuch in Lukla

In News by Webmaster

Nicole Niquille, Roland Tornare et Paul Grossrieder

Zustand des Spitalgebäudes

Die Innenausbauarbeiten schreiten gut voran und werden sorgfältig ausgeführt. Die Erstellung der Operationssäle hingegen nimmt mehr Zeit in Anspruch (Gebärsaal, Chirurgie). Die Fortschritte hängen von der Lieferung der Materialien und Installationen ab.

Als wir am 8. April in der ambulanten Abteilung ankamen, liess nur der Terpentingeruch auf Arbeiten schliessen. Der Empfang wurde mit einem Plattenbelag aus verschiedenen Weisstönen ausgestattet. Überall riecht man den Duft von frischer Farbe und Lack. Die Arbeiten schreiten gut voran.

Die Möbel des Empfangs müssen noch gestrichen und lackiert werden. Die Ordner befinden sich in den brandneuen Regalen.

Als wir Nepal anfangs Mai wieder verlassen haben, wurde gerade der Plattenbelag im letzten der Konsultationssäle verlegt.

Die Wiederaufbauarbeiten haben es erlaubt, neue ästhetische und praktische Schränke in der Krankenstation und im Lagerraum zu erstellen.

Im Einzelzimmer werden die diensthabenden Mitarbeiter des Notfallzentrums und die Nachtschwester untergebracht. Falls das Netzwerk funktioniert, wäre es gut, dieses Zimmer mit einem Computer auszurüsten. Das Zimmer muss nun noch ausgestattet werden, Die WC-Anlage ist (noch eingepackt) vorhanden und erwartet ihre ersten Benützer. Die Dusche funktioniert !

Die operativen Räume sind im Umbau und es herrscht überall Staub. Die Zwischenwände sind montiert und die Maler sind an der Arbeit. Es gilt nun auch die Zimmer für die Patienten und das Ambulatorium fertigzustellen.

Der neue Operationsblock, von Dr. N und seinen Freunden finanziert, muss noch mit einem Plattenbelag ausgestattet werden (ich habe die Platten in den Kartons am Flugplatz in KTM gesehen).

Wir müssen den Gebärsaal unbedingt mit einem Heizsystem ausrüsten, sagt Pasang Lhamu zu Paul. Die Baukommission kümmert sich darum.

Für die Geburten ist das erste Konsultationszimmer links vorgesehen; m.E. ist das Lokal schön warm. Pasang Lhamu antwortet, ja, aber die Gerüche und der Lärm und das Ansehen der Plazentas im Korridor stört die Wartenden.

Elektrizitätswerk

Es ist sonnig, zum Leidwesen der Männer die mich tragen müssen. Ich überquere zum ersten Mal die blaue Metallbrücke, welche es erlaubt, den Wildbach sicher zu überqueren. Wirklich kein Luxus !

Der Turbinenraum ist sauber, das Wartungsbuch täglich nachgeführt. Sumita, die älteste Tochter des Verantwortlichen, Mankazi, macht uns Kaffee. Der Garten ist mit Kartoffeln und Karotten bepflanzt und schön gepflegt. Ein Hund hütet das Haus. Mankazi ist sehr stolz, dass wir uns für sein Elektrizitätswerk interessieren und dass wir ihn besuchen.

Felix und Paul steigen nachmittags ab zum Wildbach. Vorerst begeben sie sich zur Zentrale im Dorf, welche ein bisschen höher als das Spital gelegen ist.

Dabei stellen sie fest, dass einer der mit Steinen gefüllte Drahtkörbe stark beschädigt ist und dass dieser nach dem Monsun repariert werden muss.

Sie begehen alsdann den Kanal bis zum Werk beim Spital. Ausser einem einzigen Ort, welchen Felix Manzaki angibt, ist der Kanal sauber und gut unterhalten.

Gemäss Felix ist es unerlässlich, unterhalb des Werkes des Spitals ein Reservoir aus Stein und Zement zu bauen, um das turbinierte Wasser dem Bach wieder zuzuführen. Gleichzeitig müssen auch die Pfeiler, welche die Leitung stützen, mit Zement konsolidiert werden. Dafür haben wir bei Pasang Kazi über die Verwalterin Pasang Lhamu 6 Säcke Zement bestellt.

To do und Wünsche für das Gebäude in Lukla

  • Fertigstellung der Operationsräume
  • Heizung im Gebärsaal
  • Totalüberholung des Elektrizitätswerkes und seiner Nebenräume
  • Ausbildung junger Berufsleute in Lukla durch einen von der Stiftung zur Verfügung gestellten Experten für das Erstellen von Solaranlagen im Dorf. Damit könnten wir eine erste Zusammenarbeit zwischen Spital und Dorf erreichen.

Medizinische Situation in PLNNH

Wie immer empfängt uns Dr. Krishna G, Chefarzt des Spitals, lächelnd und herzlich und bestätigt uns, dass er bereit sei, „bis zu seiner Pensionierung“ in Lukla zu bleiben.

Wir haben ihn gefragt, welche Spezialisierungen für das Spital vorrangig seien: Geburtshilfe und Gynäkologie. Eine Krankenschwester könnte in Katmandu eine Ausbildung in Geburtshilfe absolvieren. Es wäre auch interessant, für eine bestimmte Zeit einen ausländischen Gynäkologen im Spital zu haben, welcher den Mitarbeitern des Spitals die notwendigen Kenntnisse vermitteln könnte.

Labor

Die neuen Installationen funktionieren gut.

Dr. K.C. wird in nächster Zeit erneut Kontakt mit einem Spezialisten für Untersuchungslabore in Katmandu suchen, um eine Zusammenarbeit mit dem Spital in Lukla zu erreichen.

Augenheilkunde

Das Spital hat mit Dr. Pushpa Basnet aus Phaplu vereinbart, dass er zwei Mal pro Jahr für augenärztliche Konsultationen ins Spital kommt. Die ersten Konsultationen nach dem Erdbeben finden vom 23. – 26. Mai 2016 statt.

Apotheke

Die Apothekerin hat uns eine Demonstration ihres Informatikprogrammes Tally für die Verwaltung des Medikamentenvorrats und die pharmazeutischen Informationen betreffend die Patienten gezeigt. Sie beherrscht das Programm bestens und es haben sich schon grosse Fortschritte gezeigt. Niru hat die Daten bis zum 20. Februar 2016 aufgearbeitet und hat uns versichert, dass alle Daten vorhanden sein werden, wenn Dr. Patricia im Herbst kommt !

Programm zur Erkennung von Gebärmutterkrebs

Initiantin dieses Projektes ist Dr. Patricia in Zusammenarbeit mit dem NFCC (Nepal Fertility Care Center) und es wir gegen Ende 2016 in PLNNH und dem ganzen Tal durchgeführt.

Wir werden uns am 30.4. mit Pema Lhaki, Dr. Sarita und Pasang Kazi treffen. Das Detailprogramm wurde von Dr. Patricia ausgearbeitet und beinhaltet die Schulung des lokalen Personals, Daten, Programm und Bestätigung des Budgets.

Krankenschwestern werden die Frauen zu Hause aufsuchen, sie von der Notwendigkeit der Früherkennung überzeugen und sie über die Unentgeltlichkeit dieser Kampagne in PLNNH informieren.

Diese Kampagne betrifft 200 – 500 Frauen.

Es ist interessant festzuhalten, dass 2016 sechs medizinische Mitarbeiter aus Solukhumbu kommen.

To Do medizinisch

  • Installation eines digitalen Fakturationssystems für die Apotheke und das OPD. Der Direktor, Pasang Kazi, setzt sich dafür ein und wird das geeignetes Programm in Katmandu besorgen
  • Anforderung einer digitalen Röntgenanlage. Wir werden uns bei der medizinischen Kommission in der Schweiz erkundigen. Diese wird auch die technische Machbarkeit in unserem Spital überprüfen.
  • HPV-Kampagne
  • Ausländischer Arzt mit gynäkologischen und geburtshilflichen Kenntnissen
  • Weiterbildung des medizinischen Personals 

Besprechungen mit diversen Mitgliedern des lokalen Auschusses in Lukla

Alle sind extrem positiv, wenn sie über PLNNH sprechen. Sie heben auch die grossen Fähigkeiten des ganzen Teams hervor und vor allem die charismatische Persönlichkeit von Dr. K.C.

Sie danken der Stiftung immer wieder für den Wiederaufbau „ihres“ Spitals.

Treffen und Besuche in Katmandu

Seine Exzellenz, der Botschafter der Schweiz, Urs Herren

Frau Dragana Kojic, Delegationschefin des IKRK und Verantwortliche für die medizinischen Aktivitäten in Nepal

Jalabri, im Distrikt von Sindhupalchok

Frühmorgens Abfahrt mit Kazi, Mingma und Tchimi über eine 80 km lange, holprige Strasse. Während der Fahrt können wir die diversen Schäden in diversen Bezirken, welche durch das Erdbeben verursacht wurden, feststellen. Die schlimmsten Schäden sind östlich von KTM und im Bezirk Sindhupalchock enstanden.

Nach etwa der Hälfte der Fahrt stossen Deepak, Raju, sein Bruder, Rupika, seine Tochter und Willi Müller zu unserer Gruppe.

Nach einer vierstündigen Fahrt nehmen wir an Bord eines 4×4 Fahrzeuges eine sehr steile und steinige Strasse in Angriff. Nach 20 Minuten werden wir von ca. 50 Kindern in Schuluniformen applaudiert, die am Strassenrand Spalier standen und jedes der Kinder überreicht uns eine Bouganvillee-Blume. Ein sehr bewegender Moment.

Wir sind dann noch ein Viertelstunde weitergefahren und werden dann von Männern aus dem sehr isolierten und weitläufigen Dorf mit Musik empfangen (auf traditionnellen Instrumenten, welche von Karine Moix nach dem Erdbeben gespendet wurden). Der Umzug begleitet uns auf ca. 200 m und dann erwarten uns auch die Frauen für eine Willkommenszeremonie mit Gästen in einem speziell dafür gebauten Unterstand, für welchen wir wegen der prallen Sonne und der Hitze sehr dankbar waren.

Nach der Ansprache von Deepak und ein oder zwei wichtigen Dorfbewohnern konnten, wir festellen, dass Unstimmigkeit herrscht zwischen den Besitzern der Grundstücke auf welchen das Gemeinschaftsgebäude gebaut werden soll. Deepak zeigt uns dann das Grundstück für das Haus, welches für mehrere Bergdörfer gebaut werden soll.

Eines ist sicher: Jalabri wurde durch den FNN auserwählt, eine spezielle Unterstützung zu geniessen, wegen seiner Abgeschiedenheit, seiner Armut und der durch das Erdbeben enstandenen Schäden. Ausser Unterständen und provisorischen Zelten haben wir nichts von einem definitiven Wiederaufbau festellen können (ausser die Schule). Ohne es gesehen zu haben, kann man sich gar nicht vorstellen, wie das Dorf auf diesen sehr steilen Abhängen „gebaut“ wurde.

Das Schlimmste haben wir aber noch nicht gesehen. Nach dem Essen hat uns Kazi 30 km weiter nach Khodari (an der tibetischen Grenze) gefahren. Hier können wir das Unvorstellbare sehen: Ein Bergrutsch (wie ein Viertel des Moléson) hat die Strasse und den Fluss verschüttet und Häuser, Menschen und die Strasse selbst mitgerissen. Das Fahrzeug ist „versandet“ und wir mussten umkehren. Die Strasse zur Grenze zwischen Tibet und China ist blockiert. Ein Elend, das alle Worte und menschliches Verständnis übertrifft.

Die Rückkehr nach KTM unternehmen wir mit dem Kopf voller Eindrücke von der Begeisterung der Bergbevölkerung und den Bildern des „Weltuntergangs“, die wir gesehen haben.

Man kann sich nur fragen, wo die Nepalesen die Kraft finden um sich wieder erheben zu können.